Wasser, Hopfen, Malz… und viel Charme
Als nächstes geht es zum beziehungsweise ums Bier-Sortiment. Aline folgt bei ihrer Degustationsauswahl den Rohstoffen, die für die Bierherstellung benötigt werden. Sie führt mit Witz und Wissen durch den Morgen, kann dabei aus ihrer reichen Erfahrung schöpfen und schmückt die Informationen mit blumigen Anekdoten aus.
Um hervorzuheben, dass die Brauerei Locher die Schweizer Weizenproduktion unterstützt, stellt sie Gran Alpin vor. Das Bier in der Bügelflasche enthält nur Schweizer Rohstoffe. Ein Teilnehmer fragt: «Darf ich es ploppen lassen?» Yes, you can! Während draussen der Nebel dichter wird, kosten die Gäste das perlige, frische Gran Alpin.
Hopfen sei wie Salz und Pfeffer in einem Gericht: Die Würze im Bier, erzählt Aline weiter. Auch ich lerne neues, nämlich dass für eine kleine Flasche Quöllfrisch hell eine Hopfendolde benötig wird, während in einer Flasche IPA deren fünf stecken. Um zu zeigen, wie Appenzeller Biere schmecken, die sehr hopfenbetont gebraut wurden, serviert Aline Hazy Climber aus der Locher-Craft-Reihe. Die Reaktionen der Teilnehmenden: «Ist ganz schön kräftig, herb.» «Muss man mögen, dieses Bittere.»
Wir erfahren wertvolle Wissensbissen. Zum Beispiel, dass die Trinktemperatur höher ist, je dunkler das Bier, damit sich die Aromatik entfalten kann. Aus demselben Grund wird das Glas runder und offener, je mehr Aromatik im Bier ist.
Das obergärige Weizenbier der Brauerei Locher, bekannt als Appenzeller Weizenbier, illustriert eindrucksvoll den Einfluss der Hefe auf den Biergeschmack. Bei der Herstellung wird ein spezieller Hefestamm verwendet, der während der Gärung charakteristische Aromen von Banane und Nelke erzeugt. Zudem verleiht die obergärige Hefe dem Bier eine natürliche Trübung und einen erhöhten Kohlensäuregehalt, was zu einem spritzigen und frischen Mundgefühl führt.
Grüne Geschmacksexplosion im Glas
Den Abschluss der Degustation bilden bei Aline die Etiketten. Insbesondere eine bestimmte: Nämlich die der Hanfblüte. Diese musste 1997 auf Weisung des Bundes angepasst werden, weil ein Bauer auf der Etikette ein «Lindauerli» geraucht hatte. Rauchen und Alkohol vertrage sich nicht, hiess es aus Bern. Das Lindauerli musste weg. Dieser kleine «Skandal» verhalf der damals noch kleinen Familienbrauerei Locher zu einer schweizweiten Bekanntheit.
Selbstverständlich darf die Gruppe auch den Inhalt probieren, denn «die Rezeptur mussten wir nicht anpassen». «Schmeckt voll grün!» ist wohl eine der frischesten Ausrufe, die ich bei einer Bierdegustation gehört habe. Gut gelaunt verlassen wir das Braustöbli, um die Degustation mit dem Rundgang durch das Sudhaus abzuschliessen. Hier wird das Gesagte sichtbar, der Brauprozess sichtbar. Die verschiedenen Pfannen habe Gucklöcher, durch die wir dem Bier beim Gären zusehen können. Nach einer 180-Grad-Drehung sehen wir durch die grosse Glaswand den Maschinen beim Abfüllen und Etikettieren zu. Zurück im Shop gibt es einen «Schlummi» aus dem Zapfhahn und die Möglichkeit, die degustierten Produkte zu kaufen. Eine runde Sache, so eine öffentliche Degustation. Auch die vier Teilnehmenden stehen plaudernd an der Theke, vergleichen ihre Einkäufe und sehen rundum zufrieden aus.